9,99 Euro für einen Streamingdienst, 14,99 Euro für eine App, 39 Euro für das Fitnessstudio: Jede Abbuchung für sich wirkt überschaubar. Zusammen können laufende Verträge jedoch einen spürbaren Teil Ihres Monatsbudgets verbrauchen. Gerade wenn Rechnungen offen sind oder das Konto im Minus steht, lohnt sich ein Blick auf diese festen Ausgaben.
Sie müssen dafür nicht alles kündigen, was Ihnen Freude macht. Entscheidend ist eine einfache Frage: Welche Verträge bezahlen Sie noch, obwohl Sie sie kaum oder gar nicht nutzen? In diesem Beitrag erfahren Sie, wo sich solche Kosten verstecken, wie Sie Ihre Verträge prüfen und was Sie mit dem frei werdenden Geld tun können.
Warum kleine Abos bei Schulden ins Gewicht fallen
Ein einzelnes Abo verursacht selten die Schulden. Problematisch wird es, wenn mehrere Zahlungen jeden Monat automatisch abgehen und niemand mehr überprüft, ob sie noch sinnvoll sind. Das Geld fehlt dann möglicherweise für den Einkauf, eine fällige Rechnung oder die Rückzahlung des Dispos.
Ein Beispiel: Sie zahlen 12 Euro für einen kaum genutzten Streamingdienst, 18 Euro für eine App, 35 Euro für ein Fitnessstudio und 25 Euro mehr als nötig für einen alten Handytarif. Das sind zusammen 90 Euro im Monat und 1.080 Euro im Jahr. Ob Sie tatsächlich so viel sparen können, zeigt erst die Prüfung Ihrer eigenen Verträge. Die Rechnung macht aber deutlich, warum sich selbst kleine Beträge lohnen.
So finden Sie alle wiederkehrenden Zahlungen
Öffnen Sie Ihr Onlinebanking oder nehmen Sie die Kontoauszüge der letzten drei Monate zur Hand. Suchen Sie nach Lastschriften, Kartenzahlungen und Zahlungen über Dienste wie PayPal. Manche Abos erscheinen unter einem anderen Firmennamen als dem Namen der App oder des Dienstes.
Notieren Sie zu jeder Zahlung den Anbieter, den Betrag und wie oft er abgebucht wird. Schauen Sie zusätzlich in die Abo-Verwaltung Ihres Smartphones und in Ihre E-Mails nach Vertragsbestätigungen. Prüfen Sie auch jährliche Zahlungen: Eine Software für 120 Euro im Jahr kostet rechnerisch 10 Euro im Monat, selbst wenn sie auf dem Kontoauszug nur einmal auftaucht.
Ordnen Sie anschließend jeden Vertrag einer von drei Gruppen zu: behalten, prüfen oder kündigen. Falls Sie einen Dienst seit drei Monaten nicht genutzt haben, setzen Sie ihn zumindest auf die Prüfliste. Das ist eine praktische Faustregel, keine automatische Kündigungsempfehlung.
Die häufigsten Kostenfallen bei Abos und Verträgen
Streamingdienste und digitale Abos
Filme, Musik, Cloudspeicher, Spiele und Premium-Apps werden oft mit kleinen Monatsbeträgen beworben. Die Zahlungen laufen jedoch weiter, auch wenn Sie den Dienst längst vergessen haben. Prüfen Sie bei jedem Abo: Wann habe ich es zuletzt genutzt? Gibt es einen zweiten Dienst für denselben Zweck? Brauche ich die kostenpflichtige Version?
Wenn Sie einen Dienst nur gelegentlich nutzen, kann eine Pause sinnvoll sein. Beachten Sie vorher, ob Sie gespeicherte Inhalte verlieren oder bei einer späteren Rückkehr einen anderen Preis zahlen würden.
Handy- und Internetverträge
Ein alter Tarif kann mehr kosten, als Sie für Ihre tatsächliche Nutzung benötigen. Sehen Sie auf die letzte Rechnung: Welche Zusatzoptionen bezahlen Sie? Wie viel Datenvolumen verbrauchen Sie wirklich? Läuft noch eine Zahlung für ein Gerät?
Prüfen Sie dann die Vertragslaufzeit und vergleichen Sie passende Tarife anhand der Gesamtkosten. Bei Telekommunikationsverträgen können Sie einen Vertrag, der sich nach der Mindestlaufzeit stillschweigend verlängert hat, grundsätzlich jederzeit mit einer Frist von einem Monat kündigen. Klären Sie bei einem Anbieterwechsel, wann der neue Anschluss beginnt, damit keine unnötige Unterbrechung entsteht.
Fitnessstudios und andere Mitgliedschaften
Wenn Sie seit Monaten nicht mehr trainieren, schauen Sie in Ihren Vertrag. Vielleicht möchten Sie wieder regelmäßig hingehen. Falls nicht, notieren Sie sich den nächstmöglichen Kündigungstermin und handeln Sie rechtzeitig.
Bei Fitnessstudioverträgen, die ab dem 1. März 2022 geschlossen wurden, ist eine automatische Verlängerung nach der Erstlaufzeit nur noch auf unbestimmte Zeit zulässig; anschließend gilt eine Kündigungsfrist von höchstens einem Monat. Für ältere Verträge können andere Regeln gelten. Prüfen Sie daher das Abschlussdatum und die Vertragsunterlagen.
Versicherungen
Eine Versicherung sollten Sie nicht allein deshalb kündigen, weil gerade Geld knapp ist. Ein ausreichender Haftpflichtschutz kann Sie beispielsweise vor hohen Forderungen schützen. Prüfen Sie stattdessen, ob Sie doppelt versichert sind, Zusatzbausteine nicht benötigen oder für vergleichbaren Schutz zu viel bezahlen.
Vergleichen Sie bei einem möglichen Wechsel zuerst Leistungen, Ausschlüsse, Selbstbeteiligung und Beitrag. Kündigen Sie einen Vertrag, dessen Schutz Sie weiterhin brauchen, erst dann, wenn der neue Schutz geklärt ist. Bei manchen Versicherungen spielen Gesundheitsangaben oder Wartezeiten eine Rolle.
Zeitungen, Software, Lieferboxen und sonstige Abos
Digitale Zeitungen, Lernplattformen, Softwarelizenzen oder regelmäßige Lieferungen geraten leicht aus dem Blick. Gerade kostenlose Testphasen können in kostenpflichtige Abos übergehen. Suchen Sie nach Bestellbestätigungen und prüfen Sie, wann der nächste Betrag fällig wird.
Bei Software lohnt ein zusätzlicher Blick: Nutzen Sie das Programm noch? Gibt es mehrere Lizenzen im Haushalt? Reicht für Ihre Zwecke eine bereits bezahlte Anwendung?
So kündigen Sie einen unnötigen Vertrag
Suchen Sie zuerst die Vertragsnummer und den richtigen Vertragspartner heraus. Prüfen Sie anschließend den vorgesehenen Kündigungsweg und den nächstmöglichen Termin. Bei vielen online angebotenen laufenden Verträgen können Sie den Kündigungsbutton auf der Website des Anbieters nutzen. Bewahren Sie die Bestätigung und möglichst auch einen Screenshot des Vorgangs auf.
Viele Verbraucherverträge lassen sich auch in Textform, etwa per E-Mail, kündigen. Bei einer knappen Frist oder einem Streit über den Zugang sollten Sie einen Versandweg wählen, mit dem Sie den Zugang belegen können. Speichern Sie außerdem eine Kopie Ihrer Kündigung.
Für eine einfache Kündigung können Sie diese Formulierung verwenden:
Hiermit kündige ich meinen Vertrag mit der Vertragsnummer [Nummer] zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Bitte bestätigen Sie mir den Eingang meiner Kündigung und das Vertragsende in Textform.
Tragen Sie Ihren Namen und die Angaben ein, mit denen der Anbieter den Vertrag eindeutig zuordnen kann. Prüfen Sie später Ihren Kontoauszug: Enden die Abbuchungen tatsächlich zum bestätigten Termin?
Was gilt bei einer Preiserhöhung?
Eine Preiserhöhung bedeutet nicht bei jedem Vertrag automatisch, dass Sie sofort kündigen können. Welche Rechte Sie haben, hängt von der Vertragsart und dem Grund der Änderung ab. Bei Änderungen eines Telekommunikationsvertrags kann unter bestimmten Voraussetzungen ein besonderes Kündigungsrecht bestehen. Lesen Sie die Mitteilung des Anbieters deshalb vollständig und achten Sie auf die dort genannten Fristen.
Wenn Sie unsicher sind, holen Sie sich vor Ablauf der Frist Rat bei einer Verbraucherzentrale. Zahlen Sie einen erhöhten Betrag nicht einfach monatelang weiter, ohne die Änderung geprüft zu haben.
Wohin mit dem gesparten Geld?
Eine Kündigung hilft Ihnen nur dann dauerhaft, wenn das frei werdende Geld einen festen Zweck bekommt. Entscheiden Sie am besten schon beim Kündigen, wofür Sie den Betrag einsetzen. Sie könnten damit beispielsweise eine notwendige laufende Ausgabe absichern, eine offene Rechnung begleichen oder den Dispo schrittweise senken.
Setzen Sie dabei Prioritäten. Wenn Miete, Strom oder andere grundlegende Ausgaben gefährdet sind, sollten Sie diese zuerst im Blick behalten. Bei mehreren Schulden und Mahnungen kann eine anerkannte Schuldnerberatung mit Ihnen ordnen, welche Zahlungen dringend sind und wie ein tragfähiger Plan aussieht.
Ein kleiner Puffer für unvermeidbare Ausgaben kann ebenfalls helfen. Sonst führt die nächste kaputte Waschmaschine oder unerwartete Rechnung womöglich direkt zu neuen Schulden.
Ein einfacher Plan für heute
- Öffnen Sie die Kontoauszüge der letzten drei Monate.
- Markieren Sie jede regelmäßig wiederkehrende Zahlung.
- Prüfen Sie die drei teuersten Verträge zuerst.
- Kündigen Sie einen Vertrag, den Sie nicht mehr brauchen, und sichern Sie den Nachweis.
- Geben Sie dem künftig gesparten Betrag einen festen Platz in Ihrem Monatsbudget.
Sie müssen Ihre Finanzen nicht an einem Nachmittag vollständig ordnen. Schon ein gekündigter, ungenutzter Vertrag stoppt eine regelmäßige Ausgabe. Danach nehmen Sie sich den nächsten vor. So wird aus einer langen Liste kleiner Abbuchungen Schritt für Schritt wieder Geld, über das Sie bewusst entscheiden.

